Vier Häuser in 50 Jahren: das Schweizerhaus an der Rheiner Landstraße, das Zirkuszelt, der Holzbau und der Neubau am Fürstenauer Weg, dazu die Halle Gartlage als Ausweichquartier. Wo ich eine Stelle nur ungefähr kenne, steht das dabei.
Die Karte lädt Kacheln von OpenStreetMap. Dabei wird deine IP-Adresse an OpenStreetMap übertragen. Die Liste der Orte unten funktioniert auch ohne Karte.
Lage belegtungefähr
18.06.1976 – 31.07.1983
Schweizerhaus, Rheiner Landstraße 140 gesichert
Lage belegt: Luftbilder 1935–1963, Mitte des Saals ±20 m
Altstandort Rheiner Landstraße Foto: Ramsch, 2023.11.21 · CC BY-SA 4.0, Wikimedia CommonsOrt und Bau
Rheiner Landstraße 140 in der Weststadt, auf der Westseite der Straße, etwa 50 Meter nordwestlich der Einmündung Ernst-Sievers-Straße. Die Lage habe ich über Luftbilder der Stadt von 1935, 1956 und 1963 bestimmt. Sie zeigen den Komplex mit einem großen Saal unter Satteldach, Nebenflügeln und 1956 einem Biergarten. Die Saalmitte lag etwa bei 52.2719 N, 8.0068 O, auf etwa 20 Meter genau. Auf dem Luftbild von 2011 ist das Grundstück eine bewaldete Brache mit Parkfläche, ohne Hausnummer, und die Nummer 140 steht heute auf der anderen Straßenseite. Dass das Schweizerhaus die 140 hatte, belegen eine Anzeige aus den 1950ern („Rheiner Landstraße 140, Fernruf 2009“), ein Hotelverzeichnis von 1966 und ein Torfrock-Ticket vom 23.12.1981. In der Nähe lag laut Koop das Krematorium. Zeitzeugen erinnern sich, dass die Villa noch lange stand, bebaut ist das Grundstück bis heute nicht. An der Grundstücksmauer stehen die Graffiti „851 HKB“ und „RUDI“, aus welchem Jahr, ist unklar.
Ein Ausflugslokal in Fachwerk, gebaut 1907 (eine Quelle nennt 1905), mit einem Saal für etwa 700 Leute (eine Agenturmeldung von 1983 spricht von 800). Vorn eine kleine Kneipe mit kleiner Theke, ein dunkler Flur mit Schwarzlicht, die Küche mit Nasi Goreng, Nudeln mit Bratensoße und Nudelsalat, eine Teestube mit Sofas vom Sperrmüll, eine lange Theke mit Barhockern und Kugellampen, eine Sektbar und ein Biergarten. Die Bühne erreichte man nur durch den Saal, ihre Rückwand war weiß, 1983 voller Graffiti. Über der breiten Steintreppe hing das Schild „HYDE PARK“. Nicht gesichert, aber erzählt: ein Koch namens Alois mit Vespa, ein Plattenhändler an der Treppe zum Saal, mittwochs Kino auf der Bühnenrückwand, ein Bierstand rechts neben dem Haus und die Schwingtür der Küche, die heute im Museum Industriekultur sein soll. Das Haus gehörte schon 1954 der Stadt Osnabrück. 1966 war es das Hotel „Schweizerhaus“, 1968 führte es der Hotelier Carl-Otto von Hinckeldey, vor 1976 soll ein Möbelhändler hier zeitweise verkauft haben. Es war zugleich Wohnung. „Wir wohnten ja auch da“, sagte Overbeck 2026, und zwei Mitglieder der Hausband arbeiteten und wohnten dort. Abgerissen wurde es 1988, ein Foto davon ist im Buch. Ein Baggerfoto in einer Facebook-Gruppe ist auf „1983/84“ datiert, das ist fraglich.
Beleg
Lage belegt (LB-OS, WIKI-WEST, OSR), Nr. 140 belegt (FB-ALT Anzeige + Ticket, ADRESSB), Innen einfach belegt (Nolte, KULT-GB, FB-/IG-Kommentare), Fotos belegt (FB-ALT, FB-OSL, IG-ZR1, NOZ-Ebel-Artikel)
Dez. 1984 – Juni 1985 (dass der Park schon im Aug./Sept. 1983 hier spielte, ist unwahrscheinlich)
Halle Gartlage gesichert
Ohne Koordinaten: Lage noch nicht eingetragen
Ort und Bau
Halle Gartlage, eine städtische Halle, gebaut 1954.
Hier liefen nur Übergangs- und Nebenveranstaltungen, etwa „Hyde Park goes Halle Gartlage“ am 15./16.03.1985. Für August und September 1983 nennt keine Quelle aus der Zeit die Gartlage. Der Oberstadtdirektor kündigte am Freitag, 05.08.1983, ein Zelt als Übergangslösung an. 2001 war die Halle noch einmal Ausweichquartier, für Savatage. Viele Konzerte in der Gartlage waren keine Hyde-Park-Termine.
Ende Aug. 1983 (vielleicht 27.08.), spätestens ab 30.10.1983 – 30.11.1984
Zirkuszelt „CIRCUS HYDE PARK“ gesichert
Lage ungefähr: Ungefähr: „gegenüberliegende Straßenseite“ des Neubaus, genaue Stelle offen
Ort und Bau
Ein Zirkuszelt mit der Aufschrift „CIRCUS HYDE PARK“, so steht es auf dem Fassadenschild, auf Aufklebern, Tickets und Flyern, nicht „Cirkus“. Es stand im Urlager Esch am Fürstenauer Weg, am Nordrand neben der Zufahrt zur Mülldeponie.
Das Zelt war geliehen, vom Zirkus Corty-Althoff. Ein Foto vom Aufbau zeigt einen Anhänger mit „CIRCUS … CORTY …“. Die Idee kam laut der Buchseite von Alois Eilermann, der das Fanzine „Terminäl“ machte und Plakate als „A. E.“ gestaltete. Pellmann schreibt von „nachhaltiger Hilfestellung seitens der Brauerei“. Blau-weiß war das Zelt, davor ein Zirkuswagen mit Schriftzug, drinnen Holztribünen, eine Tanzfläche wie in einer Arena, Diskokugel, Lamettavorhänge, eine Kaffeebar, Flipper und bei Konzerten Trockeneisnebel. Nachts leuchtete es über der Stadt, im Winter stand es im Schnee, davon gibt es Fotos. Neben eigenen Abenden („Circus Hyde Park presents“) liefen Konzerte fremder Veranstalter, etwa Blue Öyster Cult und Saxon. Erzählt, aber nicht gesichert: Den Lärm hörte man bis Rulle, die Heizkosten waren hoch, bei Sturm wäre das Zelt fast weggeflogen, geöffnet war dreimal pro Woche, Donnerstag war Stammtag. Schluss war am 30.11.1984.
Lage ungefähr: Ungefähr: gleicher Platz wie das Zelt, gegenüber dem Neubau
Ort und Bau
Fürstenauer Weg 28, so steht es auf der Website von 1998, gegenüber dem heutigen Neubau auf der Westseite der Straße. Das sagen Overbeck und mehrere Zeitzeugen. Das Luftbild von 2011 zeigt dort eine Brache, ob es genau die Stelle ist, ist nicht sicher. Telefon des Clubs 1987, laut Plakat: 0541/128123.
Ein runder Holzbau mit Pyramidendach, einer hölzernen Sternkonstruktion mit Oberlichtern. Es gibt Fotos vom Bau 1985, wie ein Kran das Holz hebt, und vom Abbau 2000. Außen eine bemalte Rundfassade und das Schild „HYDE PARK“ über dem Eingang. Innen die Tanzfläche in der Mitte, eine lange Theke mit Kühlraum, weitere Theken, Flipper, Kicker, eine DJ-Kanzel, Holzränge mit einem Sofa oben und eine Boxenpyramide. „Bei zu viel Bass wackelten die Wände“, erzählt man. Davor ein Parkplatz aus Schotter und Schlamm und Massen von Fahrrädern. Die einzigen professionellen Innenaufnahmen im Agenturhandel stammen vom Therapy?-Konzert am 10.03.1994. Das letzte belegte Konzert spielten Kreator und Moonspell am Samstag, 05.02.2000. Beim Abbau im Februar 2000 gab es ein Abschiedsritual mit Rosen und Kränzen, „wie bei einer Beerdigung“. Ein Wandstück und das Schild vom Kühlraum sollen in Privatbesitz sein.
Diskothek Hyde Park Foto: Ramsch, 2018.01.21 · CC BY-SA 4.0, Wikimedia CommonsOrt und Bau
Fürstenauer Weg 128 in Haste, auf der Ostseite der Straße. Facebook, die Gelben Seiten und der Veranstalter der RabenNacht 2025/26 nennen die 126. Koordinaten 52.311225 N, 8.015531 O. Mit dem Bus 81 oder 82 ab Neumarkt bis zur Haltestelle Süberweg.
Ein Neubau in Form eines gestreckten Achtecks. 2000 war er zuerst weiß und ohne Graffiti, später kam die Graffiti-Fassade dazu, die „Wall of Fame“. Auf dem Parkplatz steht eine Skulptur. 2026 kamen Wandbilder der vier Häuser an die Eingangsmauer („1976–1983“, „1983–1984“, „1986–2000“, „2026“, die Jahreszahlen sind nicht alle sicher). Platz ist heute für bis zu 1.600 Gäste auf 800 m², die Bühne hat 80 m², die Tanzfläche 170 m² (die FAQ des Clubs sagen über 100). Dazu bis zu vier Bars, ein Clubbereich für 350 Leute, 200 Parkplätze, Biergarten, Kneipe, zwei Backstage-Räume und Schließfächer, 80 oder 170, je nach Quelle. Der Bau ist barrierefrei, die Bereiche heißen Main, Club und Disco. Vom 31.08. bis 13.09.2024 wurde umgebaut, renoviert und ein neues Soundsystem eingebaut. Zum Tanztee 2026, sonntags von 19 bis 24 Uhr, kamen statt der erwarteten 800 fast 1.600 Gäste, rund 80 Prozent davon Stammgäste.